MaMu-Art
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Das Buch zur Schanze mit Musik

Erscheinungsjahr 2000 im Selbstverlag

 

 

Hamburger Abendblatt 19.10.2000

Von Andreas Burgmayer

Wenn Kinder vom Land in die Stadt ziehen und im Schanzenviertel eine Studi-Bude ergattern, dann kommen deren Eltern zu Besuch und fallen vom Hocker. „Du lebst im Slum, regiert von linken Radaubrüdern und autonomen Krawallmachern! Und der Müll! Die Hundehaufen! Drogen!“

Der Gymnasiallehrer Martin Musiol kennt viele Hamburger, die das genauso sehen und die sich nicht die Mühe geben, hinter all den Problemen die schönen Seiten des Viertels zu entdecken. „Das Schanzenviertel ist eins der letzten lebendigen Altstadtviertel Hamburgs“, sagt Musiol. „Solche Viertel sind es doch, die uns im Ausland begeistern.“ Ein Gegengewicht zu den Vorurtelen wollte Musiol schaffen, der selbst 25 Jahre im Viertel lebte. Das Ergebnis ist „Das Buch zur Schanze mit Musik“. Ein Stadtteilbuch „so chaotisch, so anarchisch und so bunt wie das Viertel“.

Viel Liebe steckt im Buch. Und viel Arbeit von Menschen aus dem Viertel: Musiol lieferte Interviews mit alten Schanzenbewohnern, mit dem Sohn des Gründers der „Montblanc“-Fabrik oder Recherchen über die jüdische Geschichte in der Schanze. Die Grafikerinnen Martina Kagel und Inge Hymmen machten sich an das bunte Layout des hochformatigen Buches mit Ringlochung. Die Journalistin Katja Senjor steuerte Porträts von Menschen des Viertels bei und die Fotografin Tina Hager Bilder, die die Stimmung „auffe Schanze“ einfangen.

Die Sahnehaube setzte Jens Förster: eine CD mit Musikern aus dem Viertel. „Förster hat Kontakt zu einem ähnlichen Projekt in Brooklyn, New York. So kam er auf die Idee für die Schanze“, sagt Musiol. Auf der CD prangt ein Schulterblatt, und wer sie sich anhört, entdeckt nicht nur Songs von Schorsch Kamerun, „Weltfrieden“ oder dem „Golden Toast Quartett“, sondern auch das Rauschen unter der S-Bahn-Brücke und das Gebrabbel der Biertrinker auf der Straße.

Finaziert wurde das Buch von Läden, Büros und Restaurants im Viertel, den Sanierungsbeiräten und der Steg. Das Buch gibt es nur in den Läden des Schanzenviertels zu kaufen (35 Mark) oder über Internet (www.schanzenbuch.de) Hier gibt es auch weitere Geschichten zum Viertel. Der Erlös des Verkaufs geht an den BaSchu-Spielplatz.

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© Petra Musiol